Wenn ich nur eine Sache im Golf trainieren dürfte – dann wäre es Pitchen
Stell dir vor, du dürftest ab sofort nur noch einen einzigen Teil deines Golfspiels trainieren. Driver? Eisen? Putten? Chippen?
Ich habe mir genau diese Frage gestellt. Und meine Antwort ist ziemlich eindeutig: Ich würde Pitchen trainieren. Oder anders gesagt: halbe Schwünge.
Nicht, weil Pitchen der wichtigste Schlag im Golf sein muss. Sondern weil ich beim Pitchen unglaublich viele Dinge gleichzeitig trainieren kann, die mir später auch in anderen Bereichen meines Spiels helfen.
Warum nicht den Driver?
Natürlich muss ich meinen Driver trainieren. Aber ich brauche dafür keine zwei Stunden auf der Range.
Ich schlage lieber einige Bälle und schaue, was mein Schwung an diesem Tag macht. Fliegt der Ball eher nach links? Eher nach rechts? Wie ist mein Kontakt?
Danach möchte ich mit diesem Schwung auf den Platz.
Denn dort wird es interessant. Plötzlich gibt es ein Aus, einen Bunker, Wasser oder ein schmales Fairway. Jetzt muss ich lernen, mit meinem heutigen Ballflug einen Driver auf dem Golfplatz zu spielen.
Das kann mir die Range nicht geben.
Fairwayhölzer? Lieber auf dem Platz
Ihr wisst, wie gerne ich Fairwayhölzer spiele. Aber auch die möchte ich nicht stundenlang von einer perfekten Lage auf der Range schlagen.
Auf dem Platz kann ich unterschiedliche Dinge ausprobieren. Mal greife ich etwas kürzer. Mal liegt der Ball nicht perfekt. Mal brauche ich einen hohen Schlag, mal einen kontrollierten.
Genau dadurch lerne ich mein Fairwayholz wirklich kennen.
Auch Eisen möchte ich unter echten Bedingungen trainieren
Bei meinen Eisen ist es ähnlich.
Vor allem lange Eisen trainiere ich gerne auf dem Platz. Ein Par 3 ist dafür beispielsweise hervorragend. Ich habe ein konkretes Ziel, eine konkrete Entfernung und nur diesen einen Versuch.
Das ist etwas völlig anderes, als zehn Bälle hintereinander mit demselben Eisen auf der Range zu schlagen (und von der Matte).
Und Putten?
Putten müsste eigentlich ziemlich weit oben auf meiner Liste stehen.
Aber bei mir gibt es ein ganz praktisches Problem: Wenn ich lange auf dem Puttinggrün trainiere, merke ich irgendwann meinen Rücken.
Deshalb wäre Putten nicht meine Wahl, wenn ich mich tatsächlich auf nur einen Bereich beschränken müsste.
Bunker und Chippen fallen ebenfalls raus
Bunkerschläge sind wichtig. Aber für mich ist die Bewegung zu speziell, um daraus mein einziges Training zu machen. Was ich im Bunker übe, hilft mir bei meinem langen Spiel nur begrenzt.
Beim Chippen ist es anders.
Auf dem Übungsgrün chippe ich manchmal wie ein Gott. Eine perfekte Lage nach der anderen, zehn Bälle hintereinander – irgendwann funktioniert fast alles.
Aber dann stehe ich auf dem Platz, habe genau einen Ball und muss diesen einen Chip spielen.
Das ist die Situation, in der ich Chippen wirklich lerne. Noch mehr gilt das im Turnier, wenn der Schlag tatsächlich zählt.
Deshalb würde ich Pitchen wählen

Beim Pitchen bekomme ich etwas von beidem.
Ich kann sehr gezielt auf der Range trainieren und gleichzeitig einen Schlag üben, den ich ständig auf dem Golfplatz brauche.
Und vor allem kann ich mit einem halben Schwung sehr viele grundlegende Dinge meines Golfspiels gleichzeitig trainieren.
1. Ball zuerst, Boden danach
Ganz oben auf meiner Liste steht der Tiefpunkt des Schwungs.
Ich möchte den Ball treffen und anschließend den Boden.
Beim Pitchen bekomme ich darüber sofort eine Rückmeldung. Treffe ich den Boden zu früh, merke ich es. Treffe ich den Ball dünn, merke ich es ebenfalls.
Und genau dieses Ball-Boden-Treffmoment brauche ich später auch bei meinen Eisenschlägen.
2. Technik ohne Vollgas
Ein weiterer Vorteil des halben Schwungs ist die geringere Geschwindigkeit.
Ich kann mich besser auf meine Bewegung konzentrieren. Ich kann etwas verändern und tatsächlich wahrnehmen, was dabei passiert.
Wie bewege ich mich im Rückschwung? Was passiert im Übergang? Wie komme ich durch den Ball?
Viele Bewegungen, die ich später im vollen Schwung brauche, kann ich zunächst mit einem kleineren und langsameren Schwung trainieren.
3. Ausrichtung und Ballflug
Beim Pitchen kann ich außerdem hervorragend kontrollieren, wohin ich mich ausrichte und wie mein Ball tatsächlich startet.
Startet er links oder rechts von meinem Ziel? Welche Kurve macht er? Wie hoch fliegt er?
Damit lerne ich nicht nur meinen Schwung besser kennen, sondern auch meinen Ballflug.

4. Halbe Distanzen werden plötzlich zu einer Stärke
Dann kommt ein Bereich, bei dem viele Amateurgolfer Schwierigkeiten haben.
40 Meter. 50 Meter. 60 Meter.
Für einen vollen Schlag zu kurz, für einen kleinen Chip zu weit.
Genau diese Zwischendistanzen trainiere ich beim Pitchen.
Ich kann dafür unterschiedliche Schläger verwenden, den Rückschwung verändern oder mit verschiedenen Geschwindigkeiten arbeiten.
Ich persönlich finde es besonders interessant, mit demselben Schwung unterschiedliche Geschwindigkeiten zu lernen. Dadurch entwickle ich Gefühl für Distanzen, anstatt für jede Entfernung eine völlig neue Bewegung zu brauchen.
Und wenn ich diese Schläge beherrsche, habe ich auf dem Platz einen echten Vorteil – gerade weil viele Golfer sie relativ selten trainieren.
5. Rhythmus und Balance
Für mich ist das vielleicht einer der größten Vorteile überhaupt.
Mit halben Schwüngen kann ich Rhythmus und Balance trainieren, ohne dass Geschwindigkeit alles überdeckt.
Ich kann bewusst langsamer schwingen. Ich kann darauf achten, wie sich die Bewegung anfühlt. Und ich kann versuchen, jeden Schlag in einer stabilen Endposition zu beenden.
Das sind Dinge, die ich anschließend in meinen vollen Schwung mitnehmen möchte.
Der eine Schlag, der vieles trainiert
Deshalb ist meine Antwort klar.
Wenn ich gezwungen wäre, nur noch einen einzigen Teil meines Golfspiels zu trainieren, würde ich Pitchen beziehungsweise halbe Schwünge wählen.
Nicht weil dadurch automatisch jedes Problem meines Golfspiels verschwindet.
Sondern weil ich mit einem relativ einfachen Training gleichzeitig an Ballkontakt, Tiefpunkt, Technik, Ausrichtung, Ballflug, Distanzkontrolle, Rhythmus und Balance arbeiten kann.
Und genau deshalb ist der Halbschwung für mich einer der wertvollsten Schläge, die wir auf der Range trainieren können.
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